Es ist doch nur ein Hund – oder: das Unverständnis für Emotionen für ein Tier

Kennen Sie das auch? Ich erzähle einem Bekannten, dass ich mir Sorgen mache, weil meine Hündin schon nach kurzen Spaziergängen irgendwie erschöpft wirkt und insgesamt einfach nicht mehr so ist, wie ich sie seit 10 Jahren des gemeinsamen Lebens kenne. Ich äußere Vermutungen, ob vielleicht das Herz nicht mehr so mitspielt, spekuliere laienhaft etwas von eventueller Schilddrüsen-Unterfunktion und den zur Abklärung geplanten Tierarzt-Terminen bei einem entsprechenden Spezialisten.
Dann höre ich manchmal Kommentare wie: „Was Du immer für einen Aufstand wegen Deiner Hunde machst – das ist doch nicht normal. Was das auch bestimmt wieder alles kostet! Mein Gott, es ist doch nur ein Hund!“ Solche Bemerkungen machen mich einfach fassungslos.
Um es klar zu stellen: Ich mag Hunde UND Menschen! Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Hundetrainer werden, weil sie Hunde für die „besseren Menschen“ halten.  Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass man nur dann ein guter Hundetrainer werden kann, wenn man Menschen UND Hunde mag, denn meine Arbeit hat mindestens so viel mit Menschen zu tun wie mit Hunden.

Frau spielt mit Hunden am Strand

Susanne Gerlach spielt mit ihren Hunden am Strand

Aber ich bin auch fest davon überzeugt, dass der Umgang eines Menschen mit seinen tierischen Mitgeschöpfen sehr viel über ihn selbst aussagt und der Umgang einer Gesellschaft mit den ihr anvertrauten Tieren sagt viel über den Zustand dieser Gesellschaft aus.
Der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss sagte: “Dass das Wort “Tierschutz” überhaupt erfunden werden musste, ist die größte Blamage der Menschheit“. Ich finde, der Mann hat Recht!
Wir wissen, dass der Mensch ein sehr hochentwickeltes Lebewesen ist, mit einzigartigen geistigen Fähigkeiten. Wir wissen mittlerweile aber auch, dass uns mit anderen Tieren mehr verbindet als trennt. Und wenn wir betrachten, was der Mensch mit der Erde und mit anderen Lebewesen in seiner vergleichsweise kurzen Geschichte veranstaltet hat, kann eigentlich keiner mehr davon sprechen, dass wir „die Krone der Schöpfung“ wären.
Tiere begleiten den Menschen seit seiner „Entstehung“, sie sind immer schon enger Gefährte, Kumpan und in neuerer Zeit vor allem auch Sozialpartner für uns. Kinder profitieren nachweislich von einem Aufwachsen mit Tieren, es gibt unzählige Beispiele, in denen allein die Anwesenheit von Tieren den körperlichen und seelischen Zustand von Menschen in schwierigen Lebensphasen deutlich verbessert. Gerade Hunde schließen sich so eng wie kein anderes Haustier an den Menschen an. Sie sind frei von Vorurteilen, finden es nicht wichtig, ob ihr Mensch nach menschlichen Maßstäben gut aussieht oder nicht, viel Geld verdient oder berühmt ist. Sie sind vergleichs- weise schlicht in ihren Ansprüchen, wollen am liebsten immer dabei sein und zeigen uns  ihre Gefühle spontan  und unverstellt – wo findet man so etwas sonst?
Meine beiden Hunde begleiten mich jeden Tag eigentlich rund um die Uhr. Manchmal lasse ich sie lieber für eine gewisse Zeit zu Hause – dies aber meist zu ihrem Schutz, denn die beiden Fellnasen haben schon ein fort- geschrittenes  Alter und ich muss darauf achten, dass es nicht manchmal einfach zu viel für sie wird.
Ich verbringe mehr Zeit mit meinen Hunden als mit jedem Menschen und sie „haben immer Zeit für mich“. Sie sind immer für ein kleines gemeinsames Abenteuer bereit, freuen sich über jede Streicheleinheit und schauen in regelmäßigen Abständen vorbei, um kurz mal den Kopf aufzulegen die Hand anzustupsen – immer, um Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit zu demonstrieren.
Und da wollen mir Menschen, die vielleicht das Zusammenleben mit Tieren überhaupt nicht kennen, erzählen, ich würde zu viel Mühe, Zeit und Geld in das Wohlbefinden meiner tierischen Begleiter investieren? Ich glaube nicht, dass solche Bemerkungen angemessen sind und ich bedaure diese Menschen, weil sie nicht einmal wissen,  welche großartigen Verbindungen zwischen Mensch und Tier sie verpassen.
In diesem Sinne wünsche ich alle Mensch-Hunde-Teams eine  wunderschöne  gemeinsame Zeit!
Susanne Gerlach mit Emma & Lucy