Darf es einer mehr sein – oder gibt es einen Trend zur Mehrhundehaltung?

Ich habe keinen statistischen Nachweis, aber gefühlt wächst die Zahl der Hunde in unserer Umgebung und ich habe auch den Eindruck, dass immer mehr Hundehalter mehr als einen Hund in die Familie aufnehmen.

Zwei Hunde am Strand

Das Halten von zwei Hunden ist eine grosse Herausforderung an den Halter

Auch in meinem Haushalt leben seit vielen Jahren zwei Fellnasen und ich bin damit mehr als glücklich, trotzdem warne ich vor zu spontanen Entscheidungen bei diesem Thema.
Es gibt sicher gute Gründe für die Aufnahme eines zweiten (oder weiteren) Hundes – aber es gibt auch gute Gründe, so eine „Familienvergrößerung“ gut zu planen. Ein ganz wichtiger Aspekt ist aus meiner Sicht der schon in der Familie beheimatete Ersthund. Es gibt Hunde, die die Gesellschaft eines Menschen deutlich dem Zusammensein mit Artgenossen vorziehen. Wenn man so ein Exemplar zu Hause hat, tut man seinem vierbeini- gen Kumpel vermutlich keinen Gefallen mit einem Neuzugang und der Haussegen kann beträchtlich in Schieflage geraten. Und auch wenn der eigene Hund gern mit anderen Hunden über die Wiese tobt, muss er nicht von ei- nem dauerhaften Mitbewohner begeistert sein.
Dann ist es sinnvoll, sich über die mögliche Kombination Gedanken zu machen. Habe ich einen Hundesenior, kann ein Welpe oder Junghund zwar durchaus belebend für den alten Vierbeiner sein – es kann aber auch zu Überforderung des Seniors führen und ich muss als Mensch dafür Sorge tragen, dass der stürmische junge Kollege den Älteren nicht ständig nervt oder durch wilde Spielattacken sogar gefährdet. Habe ich einen noch sehr jungen Hund und möchte einen zweiten Junghund dazu nehmen, kann dieses Duo erzieherisch zu einer echten Herausforderung werden. Der Ersthund ist vielleicht noch in der Pubertät mit den bekannten, oft nervenauf- reibenden „Nebenwirkungen“ und dann kommt noch ein weiterer, noch nicht gefestigter Hundelümmel dazu. In dieser Situation sollte man über ein sehr gutes Nervenkostüm verfügen, um beide Hunde mit Geduld, Zuneigung und Konsequenz auf einen guten Weg zu bringen.
Auch die Herkunft ist ein wichtiger Punkt bei den Überlegungen zur Aufnahme eines Zweithundes. Viele Hundehalter haben den Wunsch, einem Hund aus dem Tierschutz ein neues Zuhause und damit sicher auch ein besseres Leben zu geben. Dieses Projekt klappt auch in sehr vielen Fällen gut. Trotzdem nimmt man bei einem Hund aus dem Tierheim oder Tierschutz oft ein echtes „Überraschungs-Ei“ auf. Oft ist aus dem Vorleben des Vierbeiners nicht viel bekannt, man kann einfach nicht wissen, welche Erfahrungen der Hund schon gemacht hat. Viele Hunde aus diesem Umfeld haben mit Unsicherheiten oder richtigen Ängsten zu kämpfen und benötigen dann für eine längere Zeit die volle Aufmerksamkeit des neuen Besitzers. Kann ich sicherstellen, dass mein Ersthund während dieser Zeit nicht deutlich zu kurz kommt und ich auch schon durch diesen Umstand mit atmosphä- rischen Störungen rechnen muss?
Generell sind einige Dinge mit mehr als einem Hund einfach komplizierter: einen Hund kann ich ohne große Probleme bei Familie oder Freunden mal für einen Tag, ein Wochenende oder auch mal im Urlaub abgeben. Oft ist da noch ein schon bekannter Hundekumpel und diese kleine Auszeit kann für alle Beteiligten eine tolle Zeit werden. ZWEI (oder noch mehr) Hunde im Urlaub oder in einem Notfall „mal eben“ unterzubringen, ist schon eine andere Frage. Ein Spaziergang mit zwei oder mehr Hunden kann schon ein wenig schwieriger werden und ist sicher für einige Freunde und Bekannte schon herausfordernd. Wenn ich meine Hunde im Urlaub oder bei Krank- heit in eine Hundepension gebe, benötigt dies oft ein wenig zeitlichen Vorlauf und ist letztendlich dann auch eine Kostenfrage. Wenn ich meine Hunde mit in den Urlaub nehmen möchte, stelle ich ziemlich schnell fest, dass z.B. bei der Auswahl entsprechender Ferienhäuser ein Hund in vielen Fällen noch erlaubt ist, das Mitbringen mehrerer Vierbeiner aber durchaus nicht so oft möglich ist.
Das Leben mit zwei der mehr Hunden bietet ohne Zweifel tolle Möglichkeiten für Mensch und Hund. Die Hunde haben die Möglichkeit, ständig mit Artgenossen UND ihren Menschen zu kommunizieren und ich empfinde es immer wieder als wunderbare Erfahrung, an diesem Miteinander mitzuwirken. Wenn wir Menschen VOR dem Einzug eines weiteren Hundes die aus meiner Sicht notwendigen Überlegungen vornehmen und bereit sind, auch anfängliche Schwierigkeiten und mehr Zeit, Energie und letztlich auch Geld zu investieren als bei der Haltung ei- nes Hundes, gibt es gute Chancen auf ein tolles Leben mit mehreren Fellnasen!

In diesem Sinne wünsche ich alle Mensch-Hunde-Teams eine wunderschöne gemeinsame Zeit!
Susanne Gerlach / Hundetraining und Verhaltensberatung www.hundeschule-gerlach.de / info@hundeschule-gerlach.de