Alter Hund – na und?

Wie ist eigentlich das Leben mit einem älteren Hund?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Leben mit (zwei) älteren – eigentlich durchaus alten – Hunden ein sehr schönes Leben ist. Zwar gehöre ich zur Gattung der leicht hysterischen Hundebesitzer, die gerade bei einem älteren Hund auf jeden seltsamen Blick und etwas unrunden Gang mit sofortigen Sorgenfalten und mittlerer Panik reagieren. Aber ich genieße die hohe Vertrautheit mit meiner alten Hundedamen – wir verstehen uns sozusagen blind und taub! Ab einem gewissen Alter sollte die Erziehung eines Hundes (wenn alles gut gelaufen ist) keine Rolle mehr spielen und die Freude über die gemeinsamen Aktivitäten steht im absoluten Mittelpunkt.
Und da kommen wir schon zum Punkt, um den es heute hier gehen soll: die gemeinsamen Aktivitäten. Mit meinen „Golden Girls“ kann ich keine Radtouren mehr machen und auch stundenlange Wanderungen durch weichen Schnee oder tiefen Sand sind einfach nicht mehr drin. Wir sind oft noch mehrmals täglich eine Stunde unterwegs, die Strecke, die wir zurücklegen, ist nur deutlich kürzer als früher. Insofern ist durchaus eine Umstellung der Gewohnheiten notwendig. Meine Damen haben ein höheres Schlafbedürfnis, ich muss aufpassen, dass sie kein ungestümer Junghund mal kurz umrennt, denn ein schnelles Ausweichen gelingt nicht mehr so gut und die Verletzungsgefahr durch solche Aktionen ist einfach höher. Das Hör- und Sehvermögen lässt zum Teil nach und es können sich Unsicherheiten entwickeln, die bisher kein Thema waren. Ängstliche Reaktionen auf Gewitter, Silvesterknaller oder Dunkelheit können auftreten, weil einfach die Reaktion auf Umwelteinflüsse nicht mehr so gut ist bei den Senioren und oft die Ursache des Geräusches nicht mehr zugeordnet werden kann. Das würde uns auch unsicher machen!
Auf der anderen Seite gilt bei Hunden wie bei Menschen: Wer rastet, der rostet!
Also sollte der Hund – im Rahmen seiner Möglichkeiten – regelmäßig und ausreichend bewegt werden. Gerade bei Arthrose (die ja leider bei älteren Hunden oft ein Thema ist), ist es fatal, den Hund „nur noch zu schonen, weil er ja nicht mehr so kann“. Gleichmäßige Bewegung ist gut, die Muskeln sollen möglichst trainiert und damit aufgebaut werden, um die Schwächen im Gelenksapparat so gut es geht auszugleichen.
Außerdem ist auch für einen älteren Hund eine auslastende Beschäftigung einfach wichtig und sehr positiv – die Nase funktioniert meist noch super und der Spaß an kleinen Spielen und Mini-Abenteuern lässt auch ältere Hundeaugen immer wieder strahlen.
Wir sollten bei unseren Oldies natürlich auf Anzeichen für körperliche Probleme sehr genau achten und dann lieber schneller als zu spät einen Tierarzt unseres Vertrauens konsultieren. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass kein Hund Schmerzen erleiden muss. Schmerzen sollten umgehend behandelt werden, um die Lebensqualität und Lebensfreude aufrecht zu erhalten. Typische Anzeichen sind natürlich Humpeln, aber auch starkes Hecheln, Knabbern an Gelenken und verstärkte Unruhe können auf Schmerzen hindeuten. Auch aggressive Reaktionen auf Berührungen können schmerzbedingt sein. Gehen Sie nicht über solche Anzeichen hinweg! Hunde sind – im Gegensatz zu den meisten Menschen – sehr hart im Nehmen. Wenn unsere Hunde Anzeichen von Schmerzen zeigen, ist dies ein deutliches Zeichen, dass wir nicht ignorieren sollten.
Neben der geistigen Beschäftigung unserer Oldies mit Suchspielen oder dem Einüben kleinerer Tricks (je nach körperlicher Fitness) ist auch ein angepasstes Bewegungstraining für Hundesenioren durchaus sinnvoll. Je nach körperlicher Einschränkung können isometrische Übungen, Übungen mit Luftkissen, auf einer Luftmatratze oder auf einem Wackelbrett die Muskeln stärken und die Beweglichkeit erhalten.
Und das Ganze kann Mensch und Hund richtig Spaß machen.
Natürlich sollte man so ein Bewegungstraining nur nach einer tierärztlichen Untersuchung und unter fachlicher Anleitung durch einen Hundephysiotherapeuten oder entsprechend geschulten Hundetrainer beginnen. Danach kann man diese Übungen auch zu Hause oder im Garten natürlich auch in Eigenregie durchführen – vieles ohne große Investitionen in „Fitness-Geräte“ etc.
Außerdem sind viele Hundesenioren dankbar für kleine oder größere Kuscheleinheiten und ein gemütliches Hundebett, das die alten Knochen warm hält. Ich mache mir dauernd Sorgen um meine beiden Damen (Hysterie – ich weiß), aber genieße jeden Tag, den wir zusammen verbringen können.
In diesem Sinne wünsche ich allen Mensch-Hunde-Teams eine wunderschöne gemeinsame Zeit!

Susanne Gerlach und viele Grüße von Emma und Lucy